Vierung

Mutterbegriff:

Als Vierung ist der mittlere Raum des Querhauses bezeichnet, der in der Kreuzung von Mittelschiff, Querhaus und Chor liegt. Sie ist durch weite Bogenöffnungen mit den anschließenden Räumen verbunden.

1. Die ausgeschiedene Vierung erhebt sich über quadratischem Grundriss. Den Vierungspfeilern sind zur Verstärkung Vorlagen hinzugegeben, auf denen vier Bögen ruhen. Diese seit dem 9. Jahrhundert eingesetzten Vierungs- oder Triumphbögen scheiden im Innern der Kirche die Vierung sichtbar vom Mittelschiff, den Querhausarmen und dem Chor, so dass sie als eigenständiger Raumteil wahrgenommen werden kann.

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Osnabrück, St. Petrus, Grundriss. Bild anzeigen
Osnabrück, St. Petrus, Grundriss.
Kaiserswerth, St. Suitbert, Vierung. Bild anzeigen
Kaiserswerth, St. Suitbert, Vierung.
Limburg, St. Georg u. Nikolaus, Vierung. Bild anzeigen
Limburg, St. Georg u. Nikolaus, Vierung.


2. Die abgeschnürte Vierung ist der vor- und frühromanische Vierungstyp. Sie entsteht meist über rechteckigem Grundriss, wenn das Querschiff niedriger ist als das Mittelschiff. Bei ihr sind die Pfeiler mit Mauerteilen (Mauerzungen) versehen, so dass sich die Durchgänge zwischen den Pfeilern wesentlich verengen können, die Höhe der Bogenöffnungen aber annähernd gleich ist.

Eschau, Sankt Trophimus, Grundriss mit abgeschnürter Vierung.

3. Einer nicht ausgeschiedenen Vierung fehlt das Merkmal der rundum scheidenden Bögen. Sie ist entweder mit einem bis zur Apsis durchgehendem Mittelschiff versehen, das Bögen zu den Querarmen ausbildet oder sie ist mit einem durchlaufenden Querhaus versehen, das zum Mittelschiff und den Seitenschiffen Bögen ausbildet.

Seligenstadt, karol. Kirche, Grundriss & Steinbach, Einhardsbasilika, Grundriss

Nach Außen kann der Vierung ein Akzent durch einen Turm verliehen sein (Vierungsturm). Im Barock tritt an die Stelle der Vierung häufig ein ovaler, überkuppelter Zentralraum.

Abbildungsnachweis
Dethard von Winterfeld, Romanik am Rhein, Stuttgart 2001, S. 145, Kaiserswerth, St. Suitbert, Vierung von Südosten.
Bernhard Schütz, Romanik. Die Kirchen der Kaiser, Bischöfe und Klöster zwischen Rhein und Elbe, Freiburg/Breisgau 1990, Abb. 177, Limburg, Dom St. Georg u. Nikolaus, Vierung.
Wilfried Koch, Baustilkunde, Gütersloh 199821, S. 70, bearbeitet, Steinbach, Einhardsbasilika, Grundriss.
Handbuch der Formen- und Stilkunde, Mittelalter, Stuttgart 1982, S. 109, Seligenstadt, karolingische Kirche, Grundriss.
Robert Will, Alsace Romane, Paris 1965, S. 68, Eschau, St. Trophimus, Grundriss mit abgeschnürter Vierung.

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