Retabel

Mutterbegriff:

Das Retabel (lat. retabulum = Rückwand) ist eine Schauwand, die entweder auf der Altarplatte (Mensa) aufsetzt oder hinter dem Altar auf einem Unterbau steht.
Retabel wurden seit dem Mittelalter gebaut. Das romanische Retabel hat eine hochrechteckige z. Tl. halbrund abschließende Form. Es war in den Materialien Stein, Stuck, Holz oder auch Metall gefertigt und mit Reliefs sowie Bemalung besetzt.

 

Mittelalterl. Retabel

 

Die entscheidende Neuerung des 14. Jhs. stellt der feste, das Retabel einfassende Schrein dar, der nach dem Vorbild des älteren Reliquienschrankes Skulpturen und Reliquiare aufnahm. Zum Verschließen wurden an ihm Holzflügel angebracht (Flügelaltar). Eine Erhöhung der Flügel durch einen Untersatz (Predella) war angebracht, um sie frei bewegen zu können auch ohne notwendigerweise das Altarkreuz, die Leuchter und evtl. Reliquiare, die seit dem 9. Jh. auf der Mensa installiert waren, räumen zu müssen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Flügelaltar

In der Spätgotik schloss ein nach oben hin sehr differenziert ausgestalteter architektonischer Rahmen (Gesprenge) den Schrein des Retabels ab.

Das hinter dem Altar aufgebaute Retabel war in Renaissance und Barock üblich. Während das Mittelbild (Altarblatt) blieb, wurde auf Flügel weitgehend verzichtet.

 

Seit dem 16. Jh. und endgültig im Barock setzte sich die Form des festen Retabels durch. Das Altarblatt erhielt eine architektonische Umrahmung in Form einer aus zwei Säulen, Pfeilern oder Pilastern mit Gebälkstück und Dreiecks- oder Segmentbogengiebel bestehenden Ädikula (lat. aedicula = Häuschen).

Im süddeutschen Rokoko wurde die Einbindung des Retabels bzw. des Altars in stilistischer Einheit mit der Ausstattung der Kirche angestrebt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Asamkirche


Abbildungsnachweis
Hans Koepf / Günther Binding, Bildwörterbuch der Architektur, Stuttgart 1999, S. 13, Mittelalterliches Altarretabel.
Münnerstadt, Pfarrkirche, Maria Magdalena-Altar, Riemenschneider.
Volker Gebhardt (Hg. ), Kirchen und Klöster in Europa, Köln 2002, S.112, München, Sankt Johann Nepomuk (Asamkirche), 1733-46, Inneres nach Osten.

AS