Querhaus

Mutterbegriff:

Bei dem Querhaus handelt es sich um einen Raum, der die Längsachse der Kirche durchkreuzt und von Langhaus und Chor begrenzt wird.

Erstmals wird das Querhaus in die Lateran Basilika eingefügt. Im Grundriss tritt es über die Seitenschiffe vor. Seine Stellung quer zur Hauptachse und der geschlossene Charakter des Baukörpers betonen seine Funktion als Ort der Messfeier, in deren Liturgie Prozessionen aber auch der feierliche Empfang eingebunden sein können.

Zu unterscheiden sind das

a) durchgehende Querhaus, bei dem kompositionelle Bezüge auf das Langhaus fehlen. Es gewinnt im frühen Mittelalter Bedeutung. Die Karolinger (751-987) etwa greifen die in der Zeit Kaiser Konstantins eingeführte Innovation in ihrem Kirchenbau auf. Dahinter steht das Ansinnen einer Zusammenfügung von imperialem Konzept mit der Idee der Erneuerung (Renovatio Imperii Romanorum).

b) Zellenquerhaus ist eine Erweiterung des Mittelschiffs durch Querarme genannte Seitenräume (siehe Schema, 2). Sie entsprechen den inneren Bedingungen der vollzogenen Liturgie. So verlangt die geweihte (konsekrierte) Hostie eine angemessene Aufbewahrung. Die Querarme treten über die äußeren Seitenschiffsmauern vor, sind niedriger als das Mittelschiff und zur Mitte hin geöffnet.

Schema, 1) Querhaus an einer frühchristlichen Basilika, 2) seitliche Erweiterung des Langhauses, 3) Durchdringung von Langhaus und Querhaus in der Vierung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Querhaus kann die Zu- und Ausgänge der Krypta enthalten.

Seine Funktion bei klösterlicher Nutzung ist die Vermittlung zwischen Innerem der Kirche und zumeist südlich gelegener Klausur. So mündet der Kreuzgang in das Querhaus. Während die Mönche durch das Querhausportal auf der einen Seite Zugang zur Kirche haben, soll der Abt den Zugang der gegenüberliegenden Seite des Querhauses verwenden. Das Querhaus ist somit Zone des Ein- und Ausgangs für unterschiedliche Personengruppen.

Die klösterliche Nutzung hat die Konstruktion des Querhauses bis zum Beginn der Gotik geprägt.

Abbildungsnachweis:
Günther Binding, Architektonische Formenlehre, Darmstadt 1980, S.65 Abb.172, Rom, Alt Sankt Peter, Grundriss.
Dossiers d'Archéologie, n 297 Octobre Saint-Denis, Dijon 2004, S. 21, Saint Denis, Alt Sankt Dionysius, Grundriss.
Ausstellungskatalog, 799 - Kunst und Kultur der Karolingerzeit, Beiträge. Mainz 1999, Fulda, Grundriss.
Lexikon der Kunst, Band 5, Leipzig 1993, S. 835, Schema Querhaus.

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