Portal

Mutterbegriff:

Als Portal bezeichnet man den repräsentativen Eingang eines Sakral- oder Profanbaues, der architektonisch hervorgehoben ist und plastisch oder ornamental betont sein kann.

Zunächst oft integrierter Bestandteil einer Fassade, entwickelte sich das romanische Portal zu einem eigenständigen Baukörper:
Durch eine Verdopplung des Türrahmens entstand das Vorsprungsportal, durch das Einstellen von Säulen in die so gewonnene Gewändestufe das Säulenportal.
Durch eine Vervielfältigung der Gewändestufen entstand das Stufenportal, durch die Ergänzung oder den Ersatz der Säulen durch Gewändefiguren das Figurenportal.

Als Grenze und Vermittler zwischen Außenwelt und Innenraum wurden die einzelnen Bestandteile eines Portals, d.h. die Gewände, die Archivolten und das Tympanon mit Bildprogrammen ausgestaltet.

Dom zu Freiberg, sog. Goldene Pforte, um 1230.

 

Linke Gewändefiguren und Detail

Als Gewände bezeichnet man die schräg in die Mauer eingeschnittenen Flächen seitlich der Portale.
Das Gewände kann auf vielfältige Weise profiliert oder mit eingestellten Säulen und figürlichem Schmuck versehen sein.

Linke Archivolten und Obere Archivolten.

Als Archivolten bezeichnet man die Bogenläufe, die die Gewändegliederung aufnehmen und fortsetzen.
Die Archivolten sind zumeist ornamentiert und vielfach auch mit Figuren besetzt.

Tympanon und Archivolten und Detail.

Als Tympanon bezeichnet man das von den umlaufenden Archivolten umfangene, halbkreisförmige Bogenfeld über einer durch einen Sturz abgedeckten Türöffnung.
Das Tympanon ist häufig reliefiert.

Die ikonographischen Programme des Portalschmuckes stehen in enger Beziehung zur Nutzung des jeweiligen Portals.
Zusammen mit den davor befindlichen Plätzen und Vorbauten waren Portale Orte feierlicher Akte, denen oft die Themen des Portalschmuckes entsprachen (vgl. Eheschließungen vor Brautportalen), so dass die Gliederung und der Schmuck auf die Funktion und Bedeutung des Bauwerkes verweisen können.

Die meisten Bauten besitzen neben dem Hauptportal auch Neben- bzw. Seitenportale, die ein Zeichen von sozialer Distinktion sind.

Abbildungsnachweis
Fründt, Edith: Sakrale Plastik. Mittelalterliche Bildwerke, Hanau 1964, Abb. 46.
Krohm, Hartmut (Hg.): Meisterwerke mittelalterlicher Skulptur, Berlin 1996, o. A.
Legner, Anton: Deutsche Kunst der Romanik, München 1982, Taf. 116 und 186.
Magirius, Heinrich: Der Dom zu Freiberg, Leipzig 1986, Abb. 41 und 42 (bearbeitet).


KS