Kapitell

Mutterbegriff:

Als Kapitell bezeichnet man das Säulen oder Pfeilern aufgesetzte Bauelement, das zwischen dem Stützglied und der aufliegenden Last vermittelt, zuweilen auch mit einem sogenannten Kämpfer.



Das Kapitell vergrößert zwar die Auflagefläche der Stütze, ist statisch aber nicht notwendig. Stattdessen dient es vielmehr der ästhetischen Veranschaulichung des Verhältnisses von Stütze und Last. Da es sich an einer bezeichnenden Stelle des Gefüges befindet, ist das Kapitell stets gestalterisch hervorgehoben worden.

Die griechische Baukunst entwickelte mit den Säulenordnungen drei Kapitellformen:

 

Das (vor-) dorische Kapitell besteht aus zwei rings um das Säulenhaupt liegenden, unterschiedlich breiten Wülsten (Echinus) und einer quadratischen Deckplatte (Abakus). Es ist dementsprechend allansichtig.

 

 

 

 

Das ionische Kapitell ist durch zwei Spiralen (Voluten) und einer dazwischen liegenden Profilierung horizontal akzentuiert. Es ist dadurch auf eine Frontsicht konzipiert.

 

 

 

 

Das korinthische Kapitell wird durch zwei versetzte Kränze aus Akanthusblättern vertikal betont. Die mit Voluten besetzten Ecken stützen den Abakus, dessen konkave Seiten jeweils durch eine Rosette verziert werden.

 

 

 

 

In der römischen Baukunst wurde unter einer Betonung der ionischen Teile des korinthischen Kapitells das Kompositkapitell entwickelt:
Das volutengeschmückte ionische Kapitell wurde mit dem mit Pflanzenformen verzierten korinthischen zusammengesetzt.

 

 

 

Im Mittelalter wurden die bestehenden Kapitellformen vereinfacht nachgeahmt, aber zugleich auch neue Formen herausgebildet:

 

1. Das Würfelkapitell ist würfelförmig mit abgeschrägten Ecken, wodurch die Seitenflächen jeweils eine halbkreisförmige Begrenzung erhalten. Die Oberfläche kann ornamental oder figürlich verziert sein.

 

 

 


Hildesheim,
St. Michael, Würfelkapitell.

 

2. Das Kelchkapitell schafft eine kelchähnliche Überleitung von dem runden Säulenschaft zum kubischen Kopfteil. Es kann als
a) Kelchblockkapitell oder als
b) Kelchknospenkapitell ausgebildet werden.

 

 

Bamberg, Dom, Kelchblockkapitell.

3. Dem Akanthuskapitell sind antike Akanthusblätter aufgelegt, so dass es korinthisierend wirkt.

 

 

 

Speyer, Dom, Akanthuskapitell.

 

4. Das Bilderkapitell trägt plastische Darstellungen von Menschen, Tieren, Fabelwesen, Pflanzen und Ornamenten. Sie sind daher in Figuren-, Tier- und Bestienkapitelle zu differenzieren. Die jeweiligen ikonographischen Programme können über mehrere Kapitelle hinweg verfolgt werden.

 

 

 

Hildesheim,
St. Godehard, Figurenkapitell.

 

Abbildungsnachweis
Prometheus Bildarchiv: Dom zu Bamberg, Kelchblockkapitell, aus: RUDI, Friedrich-Alexander-Universität, Kunsthistorisches Institut (bearbeitet).
Prometheus Bildarchiv: St. Michael zu Hildesheim, Würfelkapitell, aus: DadaWeb, Universität zu Köln, Kunsthistorisches Institut, Messbildarchiv (I); 1907.
Fleming, John; Honour, Hugh und Pevsner, Nikolaus (Hg.): Lexikon der Weltarchitektur, 3. Aufl., München 1992, S. 344.
Legner, Anton: Deutsche Kunst der Romanik, München 1982, Taf. 98.
Möbius, Friedrich und Möbius, Helga: Bauornament im Mittelalter, Symbol und Bedeutung, Berlin 1974, S. 19, Abb. 3.

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