Gewölbe

Mutterbegriff:

 

Das Gewölbe ist die gekrümmte Decke über einem Raum. Sie lagert in der Regel auf Mauern, Pfeilern und Säulen, die als Widerlager den vertikalen Druck und auch den seitlichen Schub des Gewölbes auffangen.

Die Elemente des Gewölbes sind

 

• Gurtbogen (blau) so genannter Transversalbogen, der die einzelnen Joche trennt,

• Scheidbogen (weiß) und Schildbogen (rot) als Begrenzung in Längsrichtung

• Rippen bzw. Grate (grün).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Osnabrück, Dom, südl. Seitenschiff, Gewölbe (Foto: Kerstin Fischer, [bearbeitet])

Zu unterscheiden sind folgende Gewölbeformen:

 

Tonnengewölbe, Schema und Innenansicht

1. Tonnengewölbe

Den Querschnitt des Tonnengewölbes können Halbkreis, Kreissegment und Spitzbogen bilden. Überträgt man die Diagonalen des Grundrisses auf das Tonnengewölbe, so ergeben sich vier Gewölbeteile: zwei Kappen an den Stirnseiten und zwei Wangen an den Langseiten.
Über Fenstern, die in die Gewölbezone reichen können, befinden sich häufig kleinere Tonnensegmente (Stichkappen), die quer zur Hauptachse der Längstonne liegen und in sie hineinragen.

 

Kreuzgratgewölbe, Schema und Innenansicht

2. Kreuzgratgewölbe

Das Kreuzgratgewölbe entsteht, wenn zwei Tonnengewölbe gleicher Höhe sich rechtwinklig schneiden. Zusammengesetzt ist es aus vier Stirnseitenkappen des Tonnengewölbes. Die Schnittstellen der Kappen heißen Grate. Sie übertragen den senkrechten Druck des Gewölbes auf vier Stützen. Den Seitenschub fangen Mauern bzw. Strebepfeiler auf. Gegenüber dem Tonnengewölbe ist es statisch ausgewogener konstruiert. Sein gestalterischer Vorteil liegt in der Möglichkeit Fenster in den Schildwänden des Hochschiffs (Obergaden) einzusetzen.

 

Kreuzrippengewölbe, Schema und Innenansicht

3. Kreuzrippengewölbe

Anstelle der Grate des Kreuzgratgewölbes sind im Kreuzrippengewölbe Rippen gespannt. Sie nehmen die Last des Gewölbes auf und führen sie in die Pfeiler ab. Die Rippen können in verschiedenen Profilen gestaltet sein.

 

4. Domikalgewölbe

Eine besondere Form des Rippengewölbes stellt das Domikalgewölbe, dessen Scheitelpunkt höher liegt als die Scheitel der Gurt- und Schildbögen. Dadurch ergibt sich eine kuppelartige Form (Busung). Durch den Einsatz von sechs oder acht Rippen ist das Domikalgewölbe sechs- oder achtteilig gestaltet.

 

 

5. Klostergewölbe:

Das Klostergewölbe besteht aus vier oder mehr Wangen einer Tonne, die nicht auf Pfeilern oder Säulen sondern auf Mauern liegen. Es befindet sich oft über quadratischem oder polygonalem Grundriss.

 

 

 

 

6. Muldengewölbe:

Das Muldengewölbe ist ein über langrechteckigem Grundriss errichtetes Klostergewölbe, das Langseiten und eine Scheitellinie statt eines Scheitelpunktes besitzt.

 

 

 

 

7. Spiegelgewölbe:

Bei dem Spiegelgewölbe handelt es sich um die Grundform eines Muldengewölbes, bei dem der Scheitel abgeschnitten ist. Die entstehende obere Fläche ist rechteckig oder elliptisch und heißt Spiegel.

 

8. Figurierte Gewölbe:
Die Gruppe der so genannten figurierten Gewölbe bildet sternförmige Figuren aus.

 

Sterngewölbe, Schema und Innenansicht

8.1. Sterngewölbe:

Im Sterngewölbe bleibt die Einteilung in Joche erhalten. Innerhalb des Joches bilden die Rippen eine sternförmige Figuration.

 

Netzgewölbe, Schema und Innenansicht

8.2. Netzgewölbe:

Im Netzgewölbe ist die Jochteilung aufgehoben, so dass die Ausbildung eines zusammenhängenden Rippennetzes über das gesamte Gewölbe hinweg ermöglicht ist.

 

Zellengewölbe, Schema und Innenansicht

8.3. Zellengewölbe

Eine Sonderform des Netzgewölbes bildet das so genannte Zellengewölbe in der norddeutschen Backsteingotik. Zwischen Graten oder Rippen des Gewölbejoches liegen kleine gekantete zellenförmige Räume.

 

Fächergewölbe, Schema und Innenansicht

8.4. Fächergewölbe, Trichter- oder Kelchgewölbe

Das Fächer-, Trichter- oder Kelchgewölbe ist besonders in der spätgotischen Architektur Groß Britanniens verbreitet und seltener auf dem europäischen Kontinent. Seine fächerartige Form entsteht, indem sich die Gewölberippen von einem Punkt radial in alle Richtungen ausbreiten.

 

Bei den figurierten Gewölben ist die Kombination mehrerer Rippenarten möglich. Diese sind

• Hauptrippen,
• Tiercerone (Rippen 2. Grades, die von den Kämpfern der Joch- bzw. Gewölbeecken zur Scheitel- oder Querrippe aufsteigen, aber nie den Schlussstein berühren),
• Liernen (Rippen 3. Grades, die weder die Kämpfer in der Joch- bzw. Gewölbeecken noch den Schlussstein berühren).

Abbildungsnachweis
Wilfried Koch, Baustilkunde, Gütersloh 1998, S. 97, Tonnengewölbe (Schema), S. 449, Abb. 1a, 1b; Kreuzgratgewölbe (Schema); S. 450, Abb. 2a; Kreuzrippengewölbe, vierteilig und sechsteilig (Schema), S. 246, Abb. 3a; Mulden- und Spiegelgewölbe (Schema), S. 451, Abb. 9, 10; Klostergewölbe (Schema), S. 451, Abb. 8; Fächergewölbe (Schema), S. 451, Abb. 5b.
Lexikon der Kunst, Bd. 2, Leipzig 1989, S. 727, Tonnen-, Kreuzgrat-, Kreuzrippen-, Stern-, Netz-, Zellen- und Fächergewölbe, Innenansicht.
Hans Koepf / Günther Binding, Bildwörterbuch der Architektur, Stuttgart 1999, S. 211, Stern-, Netz- und Zellengewölbe (Schema).

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