Emblem

Mutterbegriff: Gattung, Buchkunst,Text-Bild-Synthese

von gr. εμβλημα = ěmblēma: das Ein- oder Angesetzte; auch Sinnbild genannt

Im Zuge humanistischer Antikenrezeption entwickelte sich das Emblem zu einer populären Kunstform, die ihre Blütezeit im 16. –18. Jahrhundert erlebte, Verbreitung von Emblembüchern. Embleme sind Text-Bild Synthesen, die in der Regel aus drei Teilen bestehen; zwei aus Worten bestehenden Elementen (Lemma und Epigramm) sowie einem Bildelement (Ikon).

 

  1. Lemma (inscriptio, Motto): Eine knappe, meist lateinische oder griechische Spruchweisheit über dem Bildteil zielt in stark komprimierter Weise auf das Thema des Emblems.
  2. Icon (pictura): meist in Form einer Allegorie wird das Thema des Emblems als Bild vor Augen geführt. Zusammen mit dem Lemma baut das Icon ein Rätsel hinsichtlich der Gesamtbedeutung des Emblems auf.
  3. Epigramm (subscriptio): Der kurze, oft belehrende Text in Versform unter dem Ikon löst das Rätsel auf und spricht die Bedeutung des Emblems konkret aus.

 
Der Rätselcharakter der Emblemata stand jedoch nicht im Vordergrund. Vielmehr hatten sie didaktische Funktionen: sie versinnbildichten moralische Vorstellungen. Themen kamen aus den Bereichen Natur, Kunst und Historie (hierzu gehörten auch biblische Geschichten und antike Mythologie), die ihre universellen Zusammenhänge eingeordnet wurden. Das Icon war nicht auf einen einzigen Sinnbezug festgelegt. Es konnte mit neuen Lemmata und Epigrammen zu weiteren Emblemata kombiniert werden.

Emblemata waren primär als Holzschnitt oder Kupferstich gefertigt und fanden in Form von Emblembüchern weite Verbreitung. Eines der frühesten E.Bücher stammt von Andrea Alciati (Emblematum Liber, 1531). Die in Gemälden und Grafiken sichtbare Auseinandersetzung mit Emblemata beschränkte sich nicht auf Genrebilder? oder Stillleben? des 16. und 17. Jahrhunderts, hat dort aber einen erheblichen Teil der Forschung bestimmt.
Emblemata ohne erläuternde Epigramme, fanden sich auch in ephemeren Festdekorationen, bzw. in Fresken von Kirchen und Klöstern.

[Beispiel aus Henkel/Schöne. Emblemata, S. 568]


Literatur: Lexikon der Kunst: Architektur, Bildende Kunst, Angewandte Kunst, Industrieformgestaltung, Kunsttheorie, 7 Bde. Seemann, Leipzig 1987–1994 (zweite, unveränderte Aufl. 2004); KIRSCHBAUM, Engelbert und Wolfgang Braunfels (Hg.). Lexikon der christlichen Ikonographie, 8 Bde. Herder, Rom/Freiburg/Basel/Wien 1968–1976; HENKEL, Arthur und Albrecht Schöne (Hg.). Emblemata: Handbuch zur Sinnbildkunst des XVI. und XVII. Jahrhunderts. Metzler, Stuttgart 1967 (Ergänzte Neuauflage, 1976).