Doppelportrait

Mutterbegriff: Portrait


Doppelportraits hat es vereinzelt bereits in der Malerei der Antike gegeben, doch sind die Beispiele rar. (Abb. Terentius Neo, um 70 n. C., Wandmalerei, Pompeji, heute Museo nazionale archeologico, Neapel) Und obwohl in der Sepulchralskulptur des 13., 14. und 15. Jh. (vgl. die Gisants v. Johann dem Unerschrockenen u. seiner Gattin Margarete von Bayern, nach 1419 Musée des Beaux Arts, Dijon; oder die v. A. u. G. Giusti für das Grabmal Ludwig XII u. Anne de Bretagne gefertigten transis, Paris, St.Denis) bisweilen Frauen neben ihren Ehemännern dargestellt werden, kann hier nur sehr eingeschränkt von Portrait- oder gar Doppelportrait die Rede sein. So gibt es zwar in der auf weltliche Herrscher bezogenen Begräbniskultur des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden frühen Neuzeit eine Tradition von gisants- und transis- Darstellungen, wo die Verstorbenen vermutlich als Tote naturgetreu abgebildet worden sind, doch sind diese Totenportraits erstens eine Sonderform des Portraits und zweitens handelt es sich grundsätzlich um Darstellungen auf zwei getrennten Bildträgern. Von einem wirklichen Doppelportrait kann jedoch nur dort die Rede sein, wo, wie bei dem antiken Beispiel, zwei Personen auf einem gemeinsamen Bildträger konterfeit sind. Vor diesem Horizont scheiden auch die frühesten, als Dyptichen konzipierten Ehepaarbildnisse (vgl. Piero della Francesca, Bildnis Federico Montefeltre u. Battista Sforza, Öl a. Holz, ca 1465, Florenz, Uffizien) als Repräsentanten des Doppelportraits aus, während Jan van Eycks Arnolfini- Bildnis (1434 , Öl a. Holz, London National Gallery) oder das von Quentin Massys gefertigte Bildnis eines Geldwechsler- oder Goldschmiedepaares (Öl a. holz, 1514, Louvre, Paris) sicher zu den frühesten Repräsentanten zählen. Im 16. Jh. beginnen Doppelportraits zuzunehmen, doch sie bleiben nicht auf Ehepaarbildnisse beschränkt. Auch wenn dies, wie die Paarbildnisse von Lorenzo Lotto im 16., (Abb. Marsilio Cassotti u. s. Frau (1523, Öl. a. Lwd, Prado, Madrid) die Reliefs v. Tullio Lombardo (Bildnis eines Paares als Bacchus u.Ariadne (um 1519, Marmor, Wien, Kunsthistorisches Museum) oder die Ölbilder von P.P. Rubens im 17. Jh. (1609, Öl. a. Lwd. Alte Pinakothek, München) zeigen die am häufigsten gewählte Form des Doppelportraits war, offeriert das v. H. Holbein d. J. gefertigte Doppelportrait der Gesandten (Öl. a. Lwd, 1533, London National Gallery) eine signifikante Variante. 



Piero della Francesca, Bildnis Federico Montefeltre u. Battista Sforza, Öl a. Holz, ca 1465, Florenz, Uffizien 



Jan van Eyck, Arnolfini-Hochzeit, Öl a. Holz, 1434, London, National Gallery

 



Quentin Massys, Bildnis eines Geldwechsler- oder Goldschmiedepaares, Öl a. holz, 1514, Louvre, Paris 



Lorenzo Lotto, Marsilio Cassotti u. s. Frau (1523, Öl. a. Lwd, Prado, Madrid 



Tullio Lombardo, Bildnis eines Paares als Bacchus u. Ariadne (um 1519, Marmor, Wien, Kunsthistorisches Museum 



P.P. Rubens, , 1609, Öl. a. Lwd. Alte Pinakothek, München  



H. Holbein d. J., Doppelportrait der Gesandten, Öl. a. Lwd, 1533, London National Gallery  


The double portrait of Federico and Guidobaldo da Montefeltro : power wisdom and dynasty / Charles M Rosenberg. Federico di Montefeltro : lo stato, le arti, la cultura / Giorgio Cerboni Baiardi [Hrsg.]. Roma, 1986, p. 213-222, Holbein's ambassadors : this book was published to accompany an exhibition at The National Gallery, London / Susan Foister, London 1997. 112 S.