Chor

Mutterbegriff:

Als Chor ist der Raum vor dem Hochaltar in Kloster, Stifts- und Domkirchen bezeichnet. Er entsteht in Verlängerung des Langhauses über das Querhaus hinweg durch Eingliederung eines quadratischen oder rechteckigen Chorjoches, das durch Halbkreis, Rechteck oder Polygon abgeschlossen ist. Sowohl Chor als auch Vierung sind Hauptorte christlicher Liturgie.

Eine Entwicklung unterschiedlicher Chorformen findet statt aus dem Bestreben heraus, die Zahl der Altarstellen einer Kirche zu vermehren. Zu unterscheiden sind:

1) Der Langchor ist eine Erweiterung des Chores um ein Joch oder mehrere Joche.

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Caen, St. Étienne, Grundriss. Bild anzeigen
Caen, St. Étienne, Grundriss.
Langchor nach Nordwesten. Bild anzeigen
Langchor nach Nordwesten.
Ansicht von Südosten. Bild anzeigen
Ansicht von Südosten.
2) Der Chor mit Umgang entsteht durch die Weiterführung der Seitenschiffe um den Chor und die Hauptapsis. An den Umgang des Chores können Kapellen mit eigenen Altarstellen gebunden sein, die je nach Anzahl im Grundriss und mitunter in der Außenansicht als Kapellenkranz zu sehen sind (siehe Caen, Saint Étienne und Cluny, Abteikirche, Grundriss, Bau III).

3) Durch Zuordnung von Seitenschiff- oder Querhauskapellen zum Altarraum entsteht ein in Tiefe, Breite und Höhe gestaffeltes Raumsystem (Staffelchor), das mit Apsiden abschließt. Um im Bau die gestaffelte Raumstruktur zu realisieren, bedarf es mehrerer so genannter Vorchorräume und Apsiden.
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Staffelchor: Cluny II (981). Bild anzeigen
Staffelchor: Cluny II (981).
Staffelchor: Cluny III (1089). Bild anzeigen
Staffelchor: Cluny III (1089).
Trikonchos: Köln, St. Maria i. Kapitol (1065). Bild anzeigen
Trikonchos: Köln, St. Maria i. Kapitol (1065).
Doppelchor: Mainz, St. Martin. Bild anzeigen
Doppelchor: Mainz, St. Martin.

4) Der Dreikonchenanlage (Trikonchos) ist eine kreuzförmige Kirche, deren Chorjoch und die an der Vierung gelegenen Kreuzarme gleich lang sind und in gleich großen Apsiden schließen, sodass in den östlichen Bauteilen ein kleeblattförmiger Grundriss entsteht (siehe Köln, Sankt Maria im Kapitol).

5) Kirchen mit Ost- und Westchor sind Doppelchoranlagen. Die Notwendigkeit eines zweiten Chores ist durch die Verehrung von mindestens zwei Schutzheiligen (Patrone) zu erklären, denen die Kirche geweiht ist. Der Hauptchor ist immer dem Konvent vorbehalten und der so genannte Gegenchor dient als Ort des Stifters sowie anderen Zwecken und verleiht dem Hauptchor ein architektonisches Gegengewicht (siehe Mainz, Sankt Martin und Sankt Stephan).


Abbildungsnachweis
Office universitaire d’etudes normandes: L’architecture normande au Moyen Age. Les étapes de la création, Bd. 2, Caen 1997, S. 57, Caen, Saint Étienne, Grundriss.
Rolf Toman/ Achim Bednorz (Hrsg.), Die Kunst der Gotik. Architektur, Skulptur, Malerei, Köln 1998, S. 73, Caen, Saint Étienne, Langchor nach Nordwesten.
Günter Binding, Was ist Gotik?, Darmstadt 2000, Abb. 7, Caen, Saint Étienne, Ansicht von Südosten, Zeichnung.
Wilfried Koch, Baustilkunde, Gütersloh 1998, S. 116, Cluny, Abteikirche, Grundriss Bau II (981) und Bau III (1088-1135).
Bernhard Schütz, Romanik. Die Kirchen der Kaiser, Bischöfe und Klöster zwischen Rhein und Elbe, Freiburg/Breisgau 1990, S. 268, Köln, Sankt Maria im Kapitol, Grundriss, vollendet 1065.
ders., S. 272, Mainz, Dom Sankt Martin und Sankt Stephan, Grundriss.

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