cartellino

Mutterbegriff: Attribut

ital. von carta Papier, -ino zeigt ein Diminutiv an und so heißt cartellino wörtlich kleines Papier, Zettelchen. In der Kunstwissenscahft bezeichnet man als cartellino kleine beschriftete, entweder in der Hand gehaltene, meist aber an Möbel oder Brüstungen geheftete, aufgrund ihrer Faltspuren an Briefe erinnernde, gemalte Zettel. Sie bieten die Möglichkeit, oft nur fragmentierte Texte, meist Zitate, ins gemalte Bild einzufügen. Wie etwa ein bei Giovanni Bellini verwendeter cartellino verrät (Abb. Pietà, Öl. a. Lwd. um 1470, Pinacoteca della Brera, Mailand ) verweisen cartellini zwar auch immer auf die gelungene Täuschung und können in diesem Zusammenhang ganz gezielt als trompe l´oeuil? eingesetzt werden. Zugleich aber fungieren sie in der Regel als Rezeptions – und Deutungsanweisungen. Sie sind zu unterscheiden von bildinternen Tituli oder Schriftbändern, wie sie besonders ab dem 12. bis zum frühen 15. Jh. gebräuchlich waren. (hier J. Memling, Bildnis einer Dame als Sibilla persica, 1480, Öl a. Holz, Brügge, Johanneshospital.) und rücken eher in die Nähe von in Stein geritzten Botschaften wie sie etwa bereits bei Jan van Eycks sogenanntem Timoteus ( 1432, Öl a. Holz, London, National Gallery) Verwendung finden. Vgl. dazu Belting, Hans: Giovanni Bellini Pietà. Ikone und Bilderzählung in der venezianischen Malerei. Frankfurt/Main,1985. Benedikt Konrad Vollmann: „Frühe ottonische Bildtitel-Dichtung : mit einem Anhang zu den Tituli der Reichenauer Wandgemälde“. In: Zeitschrift des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft, 58.2004(2006), p. 78-92, Robert William Gaston: Studies in the early Christian "tituli" of wall decoration in the Latin West. London, University, Ph. D., 1969 4 Negativ-Mikrofiches. London: University of London Library 1983