camera obscura

Mutterbegriff: Optische Bildgebungsverfahren

[lat.: camera = Kammer; obscur = dunkel] Auch dunkle Kammer genannt. Gilt als direkter Vorläufer der photographischen Kamera. Zunächst verstand man darunter ein völlig abgedunkeltes Zimmer, in das durch ein kleines Loch in der Wand Tageslicht einfiel. Das so gebündelte Licht erzeugte auf der dem Loch gegenüberliegenden Wand ein seitenverkehrtes und auf den Kopf gestelltes Bild der Außenwelt.
Das optische Funktionsprinzip wurde bereits in der Antike erkannt. Aristoteles (384-322 v.Chr.) berichtete in seinem Werk Problemata über eine folgenreiche Erscheinung, als er Wolkenabbildungen auf schattigem Erdboden unter einer stark von der Sonne beschienenen Platane entdeckte.

1038 wurde die Camera obscura in einer Abhandlung des arabischen Gelehrten Ibn al Haitham (um 965-1039) zur Beobachtung einer Sonnenfinsternis erstmals richtig erkannt und beschrieben. Der englische Franziskanermönch und Naturwissenschaftler Roger Bacon (1214-1294) beschrieb die *Projektion von 'Luftbildern' und soll damit das Prinzip der Camera obscura benannt haben.
Die ersten genaueren Beschreibungen verdanken wir Leonardo da Vinci (1452-1519), der erkannte, daß das Auge wie eine Camera obscura funktioniert. Die Konstruktion einer Camera obscura wird dem italienischen Gelehrten Giovanni Battista della Porta (1535-1615) zugeschrieben, der diese in der Erstausgabe seiner Schrift Magia naturalis (1558) detailliert und allgemein verständlich beschrieb. Er verwendete auch einen Hohlspiegel, um das kopfstehende Bild aufrecht zu stellen. Seit dem 16. Jahrhundert wurde die Abbildungsqualität durch Nutzung von Sammellinsen entscheidend verbessert.

Das Einsetzen von *Linsen beschrieb der venezianische Edelmann Daniele Barbaro (1513-1570), der dieses als ein von ihm entdecktes Geheimnis reklamierte, 1568 in La practica della perspettiva. Des weiteren hat er als erster die Bedeutung des Abblendens erkannt und auf die später wichtig werdenden Anwendungen der Kamera als Zeichenhilfe hingewiesen.
Der deutsche Jesuit Athanasius Kircher (1602-1680) beschrieb 1646 eine transportable Camera obscura, in deren Innerem das auf eine Transparentwand projizierte Bild der Außenwelt nachgezeichnet werden konnte. Seit dem 19. Jahrhundert war die Camera obscura derart ausgereift, daß sie als hochwertige Zeichenhilfe eingesetzt werden konnte und breite Verwendung fand. Der Engländer William Hyde Wollaston (1766-1828) benutzte 1812 statt der Sammellinse eine Meniskuslinse und führte eine *Blende ein, wodurch die Abbildungsqualität erheblich verbessert wurde.

(aus: http://www.wernernekes.de/sammlung_haupt.htm ges. am 5. 9. 2007)