Bindemittel

Mutterbegriff: Tafelmalerei, Malerei, Werkstoffe



Man kann mit allem Malen was pappt.“ (Franz von Lenbach)
 
Neben dem -> Bildgrund und den -> Farbmitteln (zumeist Pigmente) sind die Bindemittel einer der drei Grundpfeiler des technischen Bildaufbaus. Bindemittel sind Stoffe, die in der Malerei die Aufgabe haben, die Pigmentteilchen miteinander und mit dem Malgrund zu verbinden. Korrekter Weise spricht man von Bindemittelsystemen, da sich in Malfarben Bindemittel, Lösemittel, Farbmittel (Pigmente) und verschiedene Zusatzstoffe in ihrem Verhalten gegenseitig beeinflussen und deshalb zusammen betrachtet werden sollten.
Da Bindemittel immer eine Lichtbrechung verursachen, haben sie große Auswirkungen auf die optische Gesamtwirkung der Malerei, je nach dem, ob das Bindemittel die Farbteilchen in einer Malschicht nur gerade zusammenhält und das Licht direkt von den Farbmitteln reflektiert wird (-> Oberflächenlicht), oder aber die Farbteilchen ganz vom Bindemittel umgeben sind und das Licht zunächst einen Filter durchdringen muss (-> Tiefenlicht).
Ausschlaggebend sind hier der Anteil des Bindemittels im getrockneten Farbfilm und sein Lichtbrechungsvermögen.
 
Saugfähigkeit des Grundes Lasurwirkung (Grund schimmert durch) <-> Deckender Farbauftrag, Deckfarbenwirkung
 
 
In der Tafelmalerei werden Eiweißstoffe, Pflanzengummi, Öle und Harze als Grundlage für Bindemittelsysteme verwendet. Sie werden durch Vorbehandlung und Zubereitung (etwa durch den Zusatz von geeigneten Lösemitteln) für die Weiterverarbeitung zu -> Grundierung, ->Mal-Farbe, auch ->Firnis aufbereitet und mit Farb- und Füllmitteln vermengt. Sie trocknen physikalisch durch Verdunsten von -> Lösemitteln oder chemisch z.B. durch Oxidation u. a. Umsetzungsprozesse.
 
Wehlte unterscheidet 
 

  •     einteilige Bindemittel, die durch chemische Umsetzung trocknen oder erhärten. 
  •     Zweiteilige Bindemittel, bei denen der eigentliche Bindestoff mit einem Lösemittel oder Dispergiermittel (Dispersion/Emulsion) versetzt ist, damit er verarbeitet werden kann. 
  •     Mehrteilige Bindemittel als Gemische und Kobinationen von 1. und 2. mit komplexen Trocknungsvorgängen (z.B. moderne Harzölfarbe).

  
Die einfachste Form eines Bindemittels ist das zweiteilige Bindemittel, z.B. Leim. Hierbei ist der tierische Leim fest und wird in Wasser als Lösemittel gelöst. Beim Trocknen einer damit angeriebenen Leimfarbe verdunstet das Wasser und der Leim verklebt die enthaltenen Pigmente miteinander und mit dem Malgrund. Dabei tritt durch den Verlust des Wasser ein Volumenverlust ein, der zum Zusammenziehen der Malschicht führen kann. Eine Sondergattung sind Seifen.
 
Einteilige Bindemittel sind homogene Stoffe, die aber chemisch kompliziert aufgebaut sind. Die Trocknung, besser Erhärtung, erfolgt hier durch die chemische Umsetzung in einen anderen Stoff. Z. B. wird aus Leinöl beim Erhärten unter Sauerstoffaufnahme (Oxidation) das Linoxyn, als zunächst elastische, später versprödende Substanz, die in erhärtetem Zustand beispielsweise durch Terpentinöl nicht mehr gelöst werden kann, obwohl Leinöl durch Terpentin verdünnbar ist. Durch die Sauerstoffaufnahme tritt eine Volumenzunahme ein.
 
Wässrige Bindemittel
Leime
Glutinleime
 
Gelatine, Hasenleim, Kaseinleim
Pflanzenleime
 
Stärkekleister, Zellstoffleim, Gummi, Gummiarabicum, Traganth, Latex
Guachen
Tempera
 
Enthält Bindemittel sowohl in wässriger (Leime) wie auch öliger(fettiger) Phase - Steht wirkungsmäßig zwischen Wasserfarben (Oberflächenlicht) und Ölfarben (Tiefenlicht) - Dies lässt sich je nach Mischungsverhältnis der Bindemittel einstellen. - Charakteristiken zwischen fetter Gouache und magerer Ölfarbe möglich.
 
Ölige Bindemittel
fette, oxidierende Öle
 
Leinöl, Mohnöl, Sonnenblumenöl, Nussöl,
Standöl
Sonneneingedickte Öle
Ölfirnisse
Balsame
Rohterpentine
Edelterpentine
Venetianer Terpentin, Lärchenterpentin
Straßburger Terpentin, Weißtannenterpentin
Kandabalsam
Kopaivabalsam
Harze
Weichharze
Mastix
Dammar
Hartharze
Kolophonium
Sandarak
Schellack
synthetische Weichharze
Alkydharze
Mixtion
Wachse
Bienenwachs
Carnaubawachs
Bindemittel für die Wandmalerei
Sikkative
Lösemittel
 
Literatur:
Wehlte, Kurt (1992): Werkstoffe und Techniken der Malerei.Ravensburg: Maier
Nicolaus, Knut (1979): DuMonts Handbuch der Gemäldekunde ; Material, Technik, Pflege.Köln: DuMont