Methoden

Einführung:

 

In der Kunstwissenschaft lernen Sie, dass "Kunst kein Sonntagsvergnügen ist" (T.W. Adorno). Statt über subjektiv Gefühltes zu berichten, muss eine gut begründete Argumentation vorgetragen werden. Anderen Geisteswissenschaften vergleichbar, sind deshalb auch für die Kunstgeschichte Methoden entwickelt worden, die die wissenschaftliche Rede über Kunst regeln. Auch wenn letztlich alle Ansätze das gemeinsame Ziel verfolgen, das stumme Zeichensystem Kunst zum "Sprechen zu bringen". Die in den verschiedenen Ansätzen geborgenen Interessen, könnten unterschiedlicher nicht sein, wenn nach stilistische Entwicklungen ebenso gefragt werden kann, wie nach dem sozialen Status des Künstlers oder der historisch determinierten Bedeutung eines bestimmten Themas.

Dennoch zeigt die Praxis, dass häufig verschiedene Methoden einander ergänzend eingesetzt werden, um möglichst komplexe und vor allem bestmöglich abgesicherte Deutungen zu erlangen.

Für welche Ansätze Sie sich jeweils entscheiden werden, wird nicht nur vom jeweiligen Werk abhängen, sondern auch von Ihren eigenen Interessen, von alten und neuen Konditionierungen Ihrer Wahrnehmung und schließlich von der Belegbarkeit Ihrer Argumente. Und die sollte auch ein für allemal einen der gravierendsten Fehler verhindern: biographistisch zu argumentieren.

Zunächst ist zu akzeptieren, dass alle Künstlerbiographien (Viten) individuelle, notwendig lückenhafte Perspektiven und oft sogar Legenden gesättigte Konstruktionen sind (E.Kris,Otto Kurz: die Legende vom Künstler, Frankfurt, 1995). Hinzu kommt, dass Äußerungen über "den Einfluss" biographisch belegbarer Ereignisse (Gewalt, Verlust o.ä.) auf Kunstwerke grundsätzlich völlig spekulativ ist; solche Deutungen setzen irrtümlich voraus, dass eine - womöglich sogar einige Jahrhunderte überspringende - Introspektion möglich sei.

Eine ganze Reihe von Sammelbänden zur Methodik verschafft derweil einen recht guten Überblick und Sie sollten sich immer wieder mit dem Thema auseinandersetzen, um Ansätze nicht nur erkennen, sondern auch deren Potenzial beurteilen zu können. (siehe Unterabschnitt Literatur)

Üben können Sie Identifizierung und Zuordnung der verschiedenen Ansätze bereits bei der Auswertung der Forschungsliteratur. Dass und wie dies relativ schnell umsetzbar ist, zeigt Ihnen ein dieses Modul abschließender Test. Um Sie darauf vorzubereiten, bekommen Sie hier zunächst knappe, wenn möglich illustrierte Definitionen der unterschiedlichen Methoden. Erst danach werden Ihnen methodologische Fragen gestellt, die sich auf die Ihnen bereits bekannte Forschungsliteratur beziehen.