Bibliographieren, lesen, bewerten

Wesentlicher Bestandteil kunstwissenschaftlicher Arbeit ist die Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur zu einem Werk. Denn für Hausarbeit/Referat, Bachelor-und Masterarbeit müssen Sie stets den Stand der Forschung kritisch und strukturiert resümieren. In diesem Modul können Sie trainieren, wie Sie gezielt bibliographieren und sich zügig Texte nicht nur beschaffen, sondern auch von Anfang an systematisch verwerten.

Im Folgenden erhalten Sie eine exemplarische Einführung in die einzelnen Arbeitsschritte: in Techniken der Bibliographie und in die Auswertung mutter- und fremdsprachiger Forschungsliteratur. Hinzu kommt die Auseinandersetzung mit einem Quellentext, einem Schriftstück also, das, in zeitlicher Nähe entstanden, sich unmittelbar auf das Kunstwerk bezieht. Da Sie in Ihrer eigenen Arbeit(Hausarbeit/Referat)nicht allein einen nach Themen gegliederten Überblick liefern, sondern außerdem durch Fußnoten und Literaturverzeichnisse genau nachweisen müssen, wer, wann welches Argument gut oder schlecht begründet formuliert hat, sollten Sie von Anfang sehr systematisch vorgehen. Dafür gewährt Ihnen dieses Modul
entsprechende Hilfestellungen. Den jeweiligen Stand ihrer Fähigkeiten können Sie durch Tests überprüfen, in denen es um die Erkennbarkeit bestimmter Recherchemöglichkeiten, aber auch das Verständnis von Argumentationszusammenhängen gehen wird.

Im Unterschied zur Belletristik, haben Sie bei der Lektüre wissenschaftlicher Texte ein ganz spezifisches Interesse. Sie wollen nicht allein genuin kunstwissenschaftliche Informationen, etwa zu Provenienz, Technik, Datierung, Signatur, Gattung, zu Identifizierbarkeit und schließlich zur Deutbarkeit des Dargestellten erhalten, Sie wollen auch über Kriterien zur Bewertung des Gelesenen verfügen. Dazu lohnt es, sich zunächst ein paar grundlegende Regeln für wissenschaftliche Texte zu merken. Werden diese nicht eingehalten, sind Sie an populärwissenschaftliche und d.h. in Ihren Arbeiten nicht zitierbare Schriften geraten.

So gilt für wissenschaftliche Texte prinzipiell, dass klar erkennbar sein muss, ob dessen Verfasser sich mit dem Status Quo einer zumeist komplexen Forschungsliteratur auseinander gesetzt hat. Das lässt sich in der Regel an gründlich ausgearbeiteten Fußnoten und umfangreichen Literaturverzeichnissen erkennen. Populärwissenschaftliche Literatur reduziert diesen Aufwand oder verzichtet völlig darauf hinzuweisen, wer den Inhalt eines Textes verantwortet. Deshalb ist im Internet, insbesondere bei Wikipedia zu findendes, grundsätzlich nicht zitierfähig. Im Unterschied zu den von ausgebildeten Redakteuren betreuten und von Spezialisten verfassten Lexika ist der Zugang zu Wikipedia völlig unkontrolliert und ermöglicht folglich jedem (!), der alphabetisiert ist und genug Zeit hat, dort einzustellen, was er will. Das heißt, dass ein zu Michelangelo verfasster Eintrag ebenso gut von einem pensionierten Steuerberater wie von einem ambitionierten Fahrkartenkontrolleur stammen kann. Und der Hinweis, auf selbstregulative Mechanismen im Internet zu vertrauen, ist ebenso naiv wie intellektuell fahrlässig.