Bibliographieren II - Sekundärbibliographie

Sie werden bei Ihren ersten Erfahrungen im Umgang mit wissenschaftlichen Texten bemerkt haben, dass stets sowohl Ergebnisse zuvor publizierter Arbeiten zusammengefasst, wie andererseits Diskussionen bestimmter Themen fortgesetzt und durch neue Überlegungen verändert oder ergänzt werden. Das ist ein Charakteristikum wissenschaftlicher Literatur, weil nur wenige Probleme als endgültig gelöst angesehen werden können. Deshalb sollten Sie auch den Begriff "Wahrheit" vermeiden, stattdessen in Kategorien der Wahrscheinlichkeit und Plausibilität denken und diese zum Maßstab eigener Beurteilung machen. Der Umstand, dass Forschung ein in sich verschachtelter Apparat ist, wo, ineinander gesteckten Holzpuppen vergleichbar, in der letzten Publikation immer das - in Anmerkungen nachgewiesene - Wissen vorheriger Veröffentlichungen steckt, hat Folgen für Ihre eigene wissenschaftliche Arbeit.

Den wissenschaftlichen Publikationen vergleichbar müssen Sie nun kritisch und nach Themen gegliedert den Stand der Forschung resümieren und - genau wie diese - in Fußnoten nachweisen, wer, wann welches Argument gut oder schlecht begründet formuliert hat.(s. Modul Wissenschaftlich schreiben) Deshalb genügt es natürlich nicht, nur ein, zwei Aufsätze zu lesen. Vielmehr müssen Sie, um selbst fundiert argumentieren und außerdem die Qualität fremder Argumentation beurteilen zu können, einen dem jeweiligen Autor vergleichbaren Informationsstand erreichen. Und das bedeutet, genau die Literatur aufzuarbeiten, die auch im jeweiligen Text verwendet worden ist. Um diese schnell erfassen zu können, müssen Sie den Text sekundär bibliographieren, d.h. Literaturverzeichnis und Anmerkungen des vorliegenden Aufsatzes wie einen Katalog benutzen.

Ridolfi 1648, éd.1914,S.146; Tassi 1793,Bd. I, S.127; Liphart 1915,S.5-6; Voss 1929,S.41; Wescher 1929, S.290;Locatelli Milesi 1929,S.96-98; Thieme-Becker 1929,Bd.XXIII,S.411; Pallucchini 1944, Bd.XXXI ; Colett 1953,S.43; Morassi 1953, S.296; Banti u. Boschetto 1953, S.77; Berenson 1955,S.83-84; Bianconi 1955,S.49-50; Berenson 1957,S.101 u.103; Seidenberg 1958,S.190-192; Seidenberg 1964, S.78 Pouncey 1965, S.12; Gould 1966, S.46; Pope-Hennessy 1966,S.231-233; Ruggeri 1966, S.63-64, Müller Hofstede 1967,S.74-75, 93; Ballarin 1970, S.49; Mascherpa 1971, S.56-58; Fomichova 1974, S.473; Hinz 1974, S.187; Cohen 1975, S.135; Mariani Canova 1975,S.98 ; Zampetti 1975, S.1; van Hall 1976, p.292; Galis 1977, S.237-240; Fomichova-Kustodieva-Vsevolozhskaïa 1977, S.29; Pignatti 1979, S.66; Cortesi Bosco,Affreschi, 1980, S.31; Caroli 1980, S.262; Ost 1981, S.136; Rearick 1981, S.29; Zampetti, Genius,1983, S.176-177; Rosenauer 1983, S.306; Cortesi Bosco 1987,S.127-128; Hughes 1988,S.21-23; Di Tanna, « Bestiario», 1990, S.44-50; Artemieva 1990, S.56; Amaglio 1992, S.17-19;Cortesi Bosco 1993, S.336-349; Dal Pozzolo 1995, S.38; Humfrey 1997, S.70-72.

Im Abschnitt "Liste der Sekundärliteratur" werden Ihnen die kompletten Texte zur Verfügung gestellt ist. Eine bibliographische Vervollständigung der hier abgekürzten Titel finden Sie im Literaturverzeichnis des Ausstellungskatalogs, das Sie hier herunterladen können.

Sie profitieren also von den im jeweiligen Literaturverzeichnis bereits zusammengetragenen Titeln. Hinzu kommt, dass Sie gezielt bestimmte Fragen verfolgen können, indem Sie Anmerkungen nachgehen. Nicht nur die Fließtexte, sondern auch deren Fußnoten zu lesen ist geradezu eine Pflichtübung. Hier zeigt sich nicht allein, wie sorgfältig Argumentation belegt worden ist, überdies finden sich in Anmerkungen häufig ganz entscheidende Hinweise.
Das folgende Beispiel illustriert, was gemeint ist:

Auf S. 148 des frz. Katalogtextes zum Doppelportrait von Lotto finden Sie folgendes: "Im Jahre 1970 hat Androsov (Fomichova 1992, S.196) auf eine Legende des Mittelalters aufmerksam gemacht, derzufolge Eichhörnchen ihre Weibchen, sobald im Winter die Vorräte knapp werden, aus dem Nest vertreiben."

Völlig korrekt wäre jetzt, Androsov im Literaturverzeichnis zu suchen.

Sie haben festgestellt, dass Androsov im alphabetisch und chronologisch geordneten Literaturverzeichnis nicht eingetragen ist. Deshalb verrät die hier nicht am Seitenende, sondern in Klammern zu findende Anmerkung: "Fomichova, 1992, S.196", dass Androsov sekundär zitiert worden ist. Wann und wo Androsov diesen Hinweis publiziert hat, steht also nur bei Fomichova, 1992. Blättern Sie jetzt nochmals im Literaturverzeichnis