Skulptur (Münnerstädter Altar)

Ungeachtet technischer und formaler Unterschiede, verlangt die kunstwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Skulptur ein der Malerei vergleichbares Bündel von Fragestellungen und Informationen. Erst recht dann, wenn wie in diesem Fall ein ursprünglich präzise auf einander abgestimmtes, heute jedoch nur noch rudimentär erhaltenes Skulpturen-Ensemble zur Disposition steht. Deshalb können Sie im folgenden nicht nur Termini zur Beschreibung von Schnitzaltären lernen, Sie werden außerdem aufgefordert über die Möglichkeiten der Identifizierbarkeit oder die untereinander hergestellten Beziehungen der Dargestellten  nachzudenken und darüber hinaus außerkünstlerische, dem konkreten historischen Kontext geschuldete Bedingungen in Ihre Beobachtungen und Überlegungen einzubeziehen. 

1492 vollendet die Werkstatt Tilmann Riemenschneiders das Retabel auf dem Hochaltar der Magdalenenkirche in Münnerstadt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieses Retabel stark verändert. Es ließ sich aber aufgrund von Beschreibungen und anhand erhaltener Skulpturen vor Ort sowie in Museen von München und Berlin rekonstruieren. Sie sehen das rekonstruierte Werk wie es sich heute in der Kirche befindet. Es repräsentiert den Typus des Wandelaltars, das heißt, der Aufbau lässt sich durch Auf- und Zuklappen der Seitenteile verändern, so dass die Bildwerke in der Mitte und die Reliefs der Seiten gezeigt oder verborgen werden können.
 

Riemenschneider-Altar

Münnerstadt, Pfarrkirche, Chor, Hochaltar
(Quelle: Archiv Kunstgeschichte, Universität Osnabrück)